Vier Märchen gegen Vattenfall…

September 8, 2011

Mittlerweile hat sich die Zahl der Energiemärchen auf vier erhöht. Alle Geschichten im Überblick gint es hier.

Advertisements

Neue Energie für Berlin – erneuerbar und demokratisch

Mai 18, 2011

„Neue Energie für Berlin – erneuerbar und demokratisch“
Podiumsdiskussion am 07. Juni 2011

Anlässlich der aktuellen Debatte um eine öffentliche Wiederaneignung der Strom-, Gas- und Wärmenetze Berlins veranstalten attac Berlin, BürgerBegehren Klimaschutz und PowerShift
am 7. Juni 2011 eine Podiumsdiskussion.

Unter dem Titel „Neue Energie für Berlin – erneuerbar und demokratisch“ diskutieren Alexis Passadakis (attac) und Stefan Taschner (BürgerBegehren Klimaschutz) zusammen mit Frank Jahnke (SPD),  Klaus Lederer (Die Linke) und Michael Schäfer (Bündnis90/Die Grünen) über die Chancen einer zukünftigen Energieversorgung Berlins in kommunaler Hand. Die Moderation übernimmt Toralf Staud vom Online-Magazin Klimaretter.info.

In Berlin laufen die Konzessionsverträge Ende 2013 für Gas und Ende 2014 für Strom und Fernwärme aus. Doch bereits jetzt können bzw. müssen die Weichen für die zukünftige Energieversorgung neu gestellt werden. Die einladenden zivilgesellschaftlichen Akteure begrüßen die aktuelle Debatte, um eine mögliche Rekommunalisierung der Berliner Netze. Denn eine öffentliche Verfügung über die Energienetze sowie die Gründung eigener Stadtwerke bieten die Chance, eine demokratisch kontrollierte sowie klimagerechte und sozialverträgliche Energieversorgung für Berlin einzuführen.

SPD, Die Linke und Bündnis90/Die Grünen haben jeweils eigene Konzepte für die zukünftige Energieversorgung Berlins vorgelegt. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser drei Konzepte sollen daher beleuchtet und mit der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Neben den sozial- und klimapolitischen Aspekten soll in der Podiumsdiskussion vor allem drei Fragen nachgegangen werden:

·         Welche Energienetze sollten in den nächsten Jahren in Berlin rekommunalisiert werden?

·         Wie kann ein neues Berliner Stadtwerk aussehen und wie sollte es aufgestellt sein?

·         Welche Rolle spielen Bürgerbeteiligung, demokratische Kontrolle und Klimaschutz dabei?

Die Podiumsdiskussion findet am 7. Juni 2011 um 19.00 Uhr im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4 statt. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind dazu herzlich eingeladen.

Das Haus der Demokratie und Menschenrechte erreichen Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln – z. B. vom S-, U- und Regionalbahnhof Alexanderplatz aus – mit der Tramlinie M4 und der Buslinie 200 sowie mit der Buslinien 142. Haltestelle ist jeweils „Am Friedrichshain“.


Vor gar nicht all zu langer Zeit…

April 15, 2011

…saß ein dickes blaues haariges Monster in seinem Liegestuhl am Strand der Elbe und aß Kekse. Es hatte schon fast seinen ganzen Urlaubsvorrat aufgegessen und allmählich geriet es in Sorge um Nachschub, denn Kekse waren seine Lieblingsspeise. Es konnte gar nicht genug davon bekommen. Also beschloss es, sich auf die Suche nach neuen Keksen zu machen. Es stellte sich an die Straße und hielt den Daumen raus. Prompt hielt ein großer Lastwagen an wahrscheinlich versprach sich der Fahrer gute Unterhaltung, schließlich stehen nicht alle Tage blaue dicke Monster am Straßenrand). Das Monster fragte zunächst einmal , wohin der Laster denn fahren würde und als es vernahm, das die Reise zu einem Ort namens Krümmel ginge, beschloss es sofort mitzufahren.

… [Leitet Herunterladen der Datei einweiterlesen ]


Kampagne „Tschüss Vattenfall“ gestartet!

Februar 4, 2011

Wechselwelle erfasst die Hauptstadt. Ein Stromanbieter, der sich für erneuerbare Energien einsetzt, wird in Berlin zunehmend die 1. Wahl.

Noch ist Vattenfall in Berlin der sogenannte „Grundversorger“ bei der Stromversorgung. Denn wer sich seinen Anbieter nicht bewusst aussucht, landet automatisch beim schwedischen Nachfolger der früheren Bewag. Doch immer mehr Stromkunden finden sich damit nicht ab. Sie wollen Strom ohne Kohle und Atom. Und wenn ein Unternehmen Gewinne macht, wollen Kunden auch wissen, wohin diese gehen.

Den Stromanbieter zu wechseln ist ganz einfach. Der richtige Zeitpunkt ist genau jetzt. Denn:

Vattenfall ist an zwei der gefährlichsten Atomkraftwerke in Deutschland beteiligt: Krümmel und Brunsbüttel an der Elbe. Beide AKW stehen nach schweren Störfällen seit 2007 still. Doch in diesem Jahr sollen sie wieder in Betrieb genommen werden: Das brächte Vattenfall einen täglichen Verdienst von Millionen.

Damit diese Rechnung nicht aufgeht, wurde in Berlin vor wenigen Wochen die Kampagne „Tschüss Vattenfall“ gestartet. Zahlreiche Bürgerinitiativen, Umweltverbände und Einzelpersonen – darunter auch die AG Energie von Attac Berlin – fordern die Vattenfall-Kunden auf, zu einem Stromversorger zu wechseln, der sich für eine zukunftsfähige Energieversorgung einsetzt.

Die Kampagne hat Vorbilder: 2007 wechselten in Hamburg mehr als 200.000 Kunden weg von Vattenfall zu anderen Stromanbietern.

„Mit Aufklebern, Plakaten, Flyern, Postkarten soll jetzt auch in Berlin eine wahre Wechselwelle starten. Weg von Vattenfall – am besten zu einem Stromversorger, der sich für erneuerbare Energien einsetzt.“

(Der Rabe Ralf, Februar/März 2011, S. 5)

„Echte“ Ökostromanbieter sind konzernfrei und liefern ausschließlich Ökostrom. Folgende vier Anbieter versorgen mittlerweile jeweils über 100.000 Kunden:

– Die Elektrizitätswerke Schönau: entstanden aus einer Bürgerinitiative fördern sie bundesweit „Rebellenkraftwerke“, darunter bisher fünf Solaranlagen in Berlin.

Greenpeace Energy: Die Energiegenossenschaft ist aus einer Kampagne der Umweltorganisation entstanden. Seit 2009 beliefert ein Windpark in Ketzin (Havelland) 5.800 Haushalte mit Strom.

Lichtblick: macht sich einen Namen durch gasbetriebene Blockheizkraftwerke in Berliner Kellern. Die Erzeugung von Wasser und Heizungswärme liefert gleichzeitig Strom, der die wetterabhängige Windenergie optimal ergänzt.

Naturstrom: 1,25 Cent wird von jeder Kilowattstunde Strom in neue Ökostromanlagen investiert. Derzeit werden Dächer in Berlin für große Solaranlagen gesucht.

 

(Quelle: Öffnet externen Link in neuem FensterDer Rabe Ralf – Die Berliner Umweltzeitung, Februar/März 2011, S. 5)

 

Die Wahl eines alternativen Stromanbieters ist noch keine echte Energiewende. Doch es ist ein erster Schritt. Denn es trifft den Stromkonzern dort, wo es am meisten „wehtut“, nämlich am Umsatz. „Wer kohlt und strahlt, wird nicht bezahlt!“

 

Bevor die Infrastruktur der Stromversorgung als Gemeingut wieder in Bürgerhand überführt wird, kann jeder für sich schon heute sagen: „Tschüss Vattenfall!“

 

Infos unter: www.tschuess-vattenfall-berlin.de


Ein Märchen von Einem der auszog , das Fürchten zu lernen

Januar 19, 2011

( nach den Gebrüdern Grimm – geträumt von Hartmut Ihlefeldt )

mit llustrationen von Johanne Schröder

Ein Vater hatte zwei Söhne, davon war der älteste klug und gescheit und wusste sich in alles wohl zu schicken, der jüngste aber war dumm, der konnte nichts begreifen und lernen. Und wenn ihn die Leute sahen, sprachen sie: „Mit dem wird der Vater noch seine Last haben!“ Wenn der Ältere an einen schaurigen Ort gehen sollte oder eine gruselige Geschichte hörte, sagte er zum Vater:“ Da gehe ich nicht hin, da gruselt es mich!“

Der jüngste Sohn saß in seiner Ecke, hörte das mit an und konnte nicht verstehen, warum die Leute sagten: “Davor gruselt es mich!“ Er dachte:“ Das wird wohl eine Kunst sein, von der ich auch nichts verstehe.“

Als der Jüngste nun alt genug war, sagte der Vater zu ihm: „Du bist jetzt  groß und stark und musst etwas lernen – aber bei dir ist wohl Hopfen und Malz verloren.“

„Ei, Vater“, antwortete der Jüngste, “ich möchte gerne etwas lernen, dass mich ’s gruselt, denn davon verstehe ich gar nichts“.

Da in der Nähe ein märchenhaftes Vattenknall- Energiekraftwerk mit viel schwarzer Kohle befeuert seinen dunklen Rauch in den Himmel blies, sagte der Vater: „Geh hin und sieh zu, dass du dort etwas Anständiges lernst – vielleicht ja sogar das Gruseln!“

Als der Jüngste das hörte, strebte er hocherfreut dem rauchenden Kohlenwerk zu.

Am Werkstor angekommen, las er den Namen „Vattenknall“, klingelte und ein weise aussehender Mann in einem weißen Kittel öffnete ihm die Tür.

Der Sprössling erzählte ganz eifrig, dass er hier gerne etwas lernen wolle – am liebsten das Gruseln. Da bat ihn der weise Mann herein und sagte, dass er sein Möglichstes tun wolle, um aus ihm einen tüchtigen Vattenknaller zu machen … ja, und wenn er dann auch noch schön verschwiegen sei, solle er hier auch das Gruseln lernen.

Darüber war der Jüngling hoch erfreut.

Seine ersten Lehrstunden erhielt er hier nun über die gewaltige Verschmutzung der Luft und die führende Rolle von Vattenknall in Deutschland dabei. Da sagte der Jüngste betrübt: „ Das hört sich alles nicht sonderlich schlimm an, dabei gruselt es mich nicht – ach, wenn es mich doch nur mal richtig gruseln täte!“

Da war nun der weise Mann im weißen Kittel doch sehr betrübt und sagte dem jungen Mann , dass er ihn an einen noch schlimmeren Ort zum Gruseln bei der Firma Vattenknall schicken werde – da werde er dann garantiert die größten Gruselschauer erleben !

Unser Jüngling wurde also zur weiteren Ausbildung in das Atomkraftwerk Krümmel an der Elbe gebracht. Hier wurde er zur Abwechslung von einer weisen Frau im weißen Kittel freundlich empfangen. Diese Frau wusste schon, dass die weitere Spezial-Ausbildung des Jüngsten im Fach „Gruselkabinett „von Vattenknall stattfinden sollte und teilte ihm dies mit. Da freuten sich die beiden sehr darüber !

Als Einziges forderte die weise Frau vom Jüngling nur, dass er schön verschwiegen sein müsse.

Im Gruselkabinett von Vattenknall erzählte nun diese Kitteldame Geschichten von den Havarien in Atomkraftwerken, die sogar von den Oberen von Vattenknall selbst nicht einmal bemerkt wurden.

Erst durch das ganz schnelle Eingreifen freundlicher Helfer in Uniform von der Polizei und Feuerwehr konnten so schlimme Katastrophen abgewendet werden. Die weise Frau erzählte auch stolz, dass der anfallende Atommüll einfach unter der Erde in vom Einsturz bedrohten und von Wassereinbrüchen heimgesuchten Salzstöcken gelagert würde. Die Gefahr der Verschüttung und Durchrostung der Atommüllfässer sei gewaltig und werde natürlich von den Vattenknall- Oberindianern auch gewaltig heruntergespielt. Das Beste daran sei aber, dass die Steuerzahler in diesem Reich für wirklich alle Risiken die Kosten der Endlagerung selbst tragen müssen. Sogar deutlich mehr Leukämiefälle bei Kindern in der Nähe von Atomkraftwerken gäbe es als normal.

Erwartungsvoll fragte sie den Jüngsten:“Stimmt`s, jetzt gruselt es dich wirklich richtig?“

Er dachte:“ Was soll daran so schlimm und zum Gruseln sein? Es ist so lange alles gut gegangen, da wird auch weiter nichts passieren!“Traurig antwortete er ihr: „Das hört sich alles nicht schlimm an, dabei gruselt es mich nicht – ach, wenn es mich doch nur mal richtig gruseln würde!“

Da war nun auch die weise Frau im weißen Kittel sehr traurig und sann auf einen Ausweg.

Sie erklärte dem Jüngling: „Wir Großkopfeten haben jeden Abend pünktlich um 19.00 Uhr ein Treffen mit allen Chefgruselmännern und –frauen von Vattenknall – da wird dir bei unserer Zusammenkunft garantiert das Gruseln kommen!“

Das freute ihn nun wieder sehr und die weise Frau im weißen Kittel schaute ihm freundlich ins Gesicht.

Am Abend zur siebten Stunde wurde der Jüngste von der weisen Frau in einen schönen Saal gebracht. Hier gab es sogar Fernseher, ein Radio, Computer mit spannenden Videospielen und sonstigen interessanten Gerätschaften zum Zeitvertreib.

Dann waren alle Chefgruselmänner und –frauen versammelt und wurden dem Jüngsten persönlich vorgestellt. Diese Oberindianer von Vattenknall versprachen dem Jüngsten, dass er heute das Gruseln ein für alle Mal lernen würde – er müsse nur schön verschwiegen sein. Dieses Versprechen machte ihn sehr, sehr stolz und froh.

Er erfuhr, dass tatsächlich viel mehr Atommüll im Endlager Asse liege als bekannt- alles schön quer durcheinander, ohne Verzeichnis, durchgerostet, tropfend…Ja, man hatte sogar mehrmals ohne Erlaubnis der Besitzer auf fremdem Boden Bohrungen für die Versenkung von CO2 vorgenommen! Man berichtete ihm hinter vorgehaltener Hand, dass so in unterirdische Hohlräume verpresstes CO2 eigentlich nie wieder heraus dürfe und dass ihnen natürlich bekannt sei, dass eine unterirdische CO2- Blase tatsächlich gar nicht kontrollierbar sei. Auch die Schäden für das Trinkwasser und die Sicherheit der Menschen, Tiere und Pflanzen über der Blase wären in Wirklichkeit gar nicht abzusehen und somit nicht kalkulierbar…

Unser Jüngling hörte ferner, dass die Laufzeiten selbst für bekanntermaßen völlig marode Atomkraftwerke von der Regierung verlängert würden. Das mache die, damit die Großkopfeten von Vattenknall & Co noch mal so richtig die Golddukaten einstreichen können! Damit könne dann auch noch der Ausbau erneuerbarer Energien gezielt bekämpft werden, freuten sie sich.

Als Notfallplan kam dann der Vorschlag aus dem Kreis der Chefgruseler von Vattenknall, doch über den unterirdischen CO2- Blasen Sektkellereien im großen Stil zu errichten. Das eventuell entweichende CO2-Gas könnte man durch Traubenmost leiten und so einen tollen Billigsekt herstellen!

So könne man doch dem Volke mit dem edlem Alkohol ein Luxusgefühl vermitteln und dabei die Menschen alkoholabhängig und widerstandslos machen.

Über diese wunderbare Idee jubelten alle Chefgruseler sehr und wollten sich nun den Fernsehern, dem Radio, den Computern mit spannenden Videospielen und sonstigen schönen Luxusprodukten für ihren Zeitvertreib zuwenden.

Plötzlich flogen die Saaltüren auf und kräftige Männer, ebenfalls in weißen Kitteln, kamen in den Saal und riefen: „ Alle Patienten der Nervenklinik in Gruppen aufstellen. Zum Schlafen kommt ihr heute wieder in eure hübschen Gummizellen und morgen dürft ihr wieder die Chefgruseler von Vattenknall sein und könnt eure bescheuerte und lebensfeindliche Firmenpolitik fortsetzen.“

Nun verstand der Jüngste so langsam … Er hatte sich nämlich schon die ganze Ausbildungszeit bei Vattenknall gewundert, dass die weißen Kittel von der weisen Frau, dem weisen Mann und den Chefgruselern von Vattenknall so extrem lange Ärmel hatten……

Tief erschüttert über das Gelernte und Erlebte sprach er mit zitternder Stimme: „ Ach, oh weh, wie gruselt` s mich … Ach, oh weh, wie gruselt`s mich !`“

Er ging schnell heim zu seinem geliebten Vater und seinem geliebten Bruder, um ihnen von seinen schrecklichen Erlebnissen zu berichten und von nun an,

gemeinsam mit seiner Familie und seinen Freunden, gegen die profitgesteuerte Zerstörung der Erde aktiv zu werden.


Von Cochabamba nach Cancún

Dezember 7, 2010

„Klimakuriere“ der AG Energie von Attac Berlin überbrachten anlässlich der UN-Klimakonferenz in Mexiko zentrale Forderungen des alternativen Klimagipfels in Cochabamba (Bolivien) im Frühjahr 2010 an die Botschaften teilnehmender Staaten in Berlin.

Als Teil der bundesweiten Kampagne „Klimakuriere – von Cochabamba nach Cancún“ stellte eine kleine Delegation von Klimaaktivisten von Attac Berlin zentrale Forderungen eines alternativen Klimaabkommens verschiedenen Botschaften in Berlin zu. Ziel dieser Kampagne, die parallel zu den Klimaverhandlungen in Mexiko in verschiedenen Städten in Deutschland startete, ist es, die teilnehmenden Staaten daran zu erinnern, dass ein anderes Klimaabkommen noch möglich ist.

Während bei den Verhandlungen in Mexiko bereits die kleinsten Fortschritte als Erfolge verkauft werden, reicht einer wachsenden Zahl von Klimaaktivisten das politische Limbotanzen nicht aus. Deswegen wird die Messlatte für eine tragfähige Klimakonferenz bewusst hoch gesetzt. Nur eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1 0C, sowie eine Reduzierung der Emissionen um mehr als 50% bis 2017 kann den Klimawandel noch begrenzen. Darüber hinaus sollen sich gerade die Industriestaaten, die in der Vergangenheit den Treibhausgasausstoß wesentlich verursacht haben, an neue Realitäten gewöhnen. Klimaflüchtlinge sind anzuerkennen. Statt immer neuer Emissionshandelsmodelle sollen 6% des Bruttoinlandsprodukts der Industrieländer für die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern bereitgestellt werden.

Klimakuriere vor der Amerikanischen BotschaftUm diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen wurden am Vormittag des 7. Dezembers gerade die Botschaften der G8-Staaten und des Gastgeberlandes Mexiko, sowie das Bundesumweltministerium ausgesucht. Dabei überbrachten die Aktivisten von Attac das einseitige Anschreiben an die jeweiligen Botschafter klimafreundlich als „Klimakuriere“ mit dem Fahrrad.

Einer persönlichen Zustellung verweigerten sich die diplomatischen Vertretungen der Russischen Föderation, Japans und der USA. Während die Russen mit einem klaren „Nein“ auf den Postweg verwiesen, empfahlen die Amerikaner den ungebetenen Besuchern, sich zunächst per Email an die Botschaft zu wenden. Nach Bearbeitung bekäme man dann einen Ansprechpartner genannt, an den man dann sein Anliegen postalisch zusenden könne. Eventuell werde man aber auch in die Niederlassung in die Clayallee geschickt. Nun, hier wurde verständlich, warum die Unterzeichnung eines internationalen Klimaabkommens Jahre Klimakuriere vor der Japanischen Botschaftdauern kann. Die Japaner hingegen brauchten lediglich 10 Minuten und eine Reihe interner Telephonate, um das Anliegen freundlich, aber bestimmt abzuweisen.

Nicht so die Engländer, Franzosen und Kanadier. Hier leitete ein gut geschulter Sicherheitsdienst Besucheranliegen professionell weiter. Am charmantesten nahmen sich die Italiener der Sache an. So wurde der „Zusteller“ von einer Referentin des Botschafters empfangen. Auch das Gastgeberland Mexiko zeigte sich ohne Umweg über aufwendige Sicherheitsvorkehrungen entgegenkommend und nahm die Botschaft an.

Gehör wird die Botschaft der Klimakuriere sicher nicht finden. Doch mach es durchaus Sinn, die Teilnehmenden Staaten der Klimakonferenz mit alternativen Forderungen zu konfrontieren.

 

Text: Jens-Martin Rode / Bild: Elke Röder, Jens-Martin Rode

 

Link:    http://klimakuriere.wordpress.com/

 

 


Castor schlottern!

November 17, 2010

Die Anti-Atom-Bewegung verspricht einen „heißen Herbst“ – und was ist? Gemeinsam friert man sich den Arsch ab… Aber das war nicht überraschend. Denn die Castortransporte im Zwischenlager Gorleben haben ja bereits Tradition. Und zu den ungeschriebenen Gesetzen dieses Brauchtums zählt der Transporttermin im November. Dass die kalte Jahreszeit hunderte Demonstranten nicht davon abschrecken würde, sich dem Atommülltransport in den Weg zu stellen, war ebenso klar. Zu groß ist der Ärger in breiten Schichten der Bevölkerung über die beschlossene Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Und so waren es die ganz normalen Leute, die sich von den verschiedenen Aktionsformen des Widerstandes im ehemaligen Zonenrandgebiet angesprochen fühlten.

Protestkultur hat in Deutschland seinen ganz eigenen Charakter. Wenn man etwas macht, dann macht man es gleich richtig. Und da die Castortransporte ja schon ein paar mal durch die Republik gerollt sind, gibt es einen großen Erfahrungsschatz hinsichtlich der anstehenden Aktionen.

Wer sich zusammen mit „X-tausend-mal-quer“ an einer Blockade beteiligen möchte, ist gleich bei den Profis gelandet. Hier können sich vor allen Dingen Aktionsunerfahrene anschließen. Sie haben auch unmittelbar vor der eigentlichen Aktion noch ausreichend Gelegenheit, elementare Aspekte einer klassischen „Sitzblockade“ einzuüben: Sich in Bezugsgruppen zu organisieren, basisdemokratische Entscheidungsfindung, etwas Strategie und Taktik, um zum Aktionsort zu gelangen. „Praktisch“ wird es, wenn es darum geht, Polizeiketten zu „durchfließen“. Auch das „Ziel“ der Aktion, sich von den Ordnunghütern wegtragen zu lassen, sollte von Unerfahrenen einmal trainiert werden.

Wenn es ernst wird, hängt der Erfolg entscheidend davon ab, in ausreichender Zahl rechtzeitig zum Aktionsort zu gelangen. Im Wendland zeigte sich die Polizei sichtlich überrascht vom frühen Aufbruch. Sie hatte mit uns noch gar nicht gerechnet. So gelang es ohne Komplikationen, die Straße einzunehmen. Und dann hieß es: warten. Wer sich allerdings auf unerdenkliche Strapazen bei Eiseskälte auf offener Landstraße gefasst gemacht hatte, wurde enttäuscht. Eine gut eingespielte Blockadeunterstützung konnte schnell viele hundert Protestierer mit allem Notwendigen versorgen. Volksküche mit veganem Essen, Dixiklos und natürlich Musikprogramm. Die größte Schwierigkeit bestand darin, die große Anzahl an Leuten eine am Anfang noch unbestimmte Zeit auf der Straße zu halten, während sich gleichzeitig bei anderen Aktionen die Schotterer schon Prügel bei der Polizei abholten und einige Kilometer entfernt die Schienenblockade aufgelöst wurde.

Entschlossen wartete man auf den Moment, auf den sich alle vorbereitet hatten: die Räumung durch die Polizei. Und jede Stunde, die der Castor weiter in Verzug geriet, wurde als Erfolg verbucht und steigerte die ausgelassene Stimmung.

Aktionen von X-tausend-mal-quer sind strikt gewaltlos und für alle Teilnehmenden transparent . Nie geht es darum, die Polizei anzugehen. Wohl aber, sich der dreimaligen Aufforderung, den Versammlungsort zu verlassen, zu widersetzen. Bei der Straßenblockade hatten Beamte aus Niedersachsen und von der Bundespolizei Dienst. Sie verhielten sich äußerst korrekt und fast zuvorkommend. Dies war keine Selbstverständlichkeit und das Verhalten der Ordnungskräfte war im Voraus keineswegs abzuschätzen. Einiges an Frust und Erschöpfung war den Gesichtern anzusehen. Hat es doch eine über Jahre eingeübte Protestchoreographie immer wieder geschafft, die Polizei erfolgreich in ihrer Arbeit zu behindern. Mal hatten die Bauern zufällig ihre Trecker auf den Nachschubwegen geparkt, welche dann eben nicht mehr anspringen wollten. Mal waren es einige Hundert Schafe, die auf dem Weg grasten….

Eine Blockade mit X-tausend-mal-quer ist sehr geeignet für Menschen, die sich an direkten politische Aktionsformen beteiligen wollen, aber noch keine Erfahrung mit zivilem Ungehorsam haben. Hier Gelerntes lässt sich aber auch auf Aktionen in anderem Kontext übertragen.